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Donnerstag, 23. September 2010

Déjà Vu

Wenn ich morgen meinen ersten Mietvertrag unterschreibe und die Wohnung Anfang Oktober übergeben bekomme und ein paar Tage später einziehe, weiß ich schon genau, welches Gefühl ich dabei empfinden werde.
Es wird genauso sein wie damals, als ich in Dresden mein Studium anfing und Papa mir beim Umzug geholfen und mich hingefahren hat. Es war genau, nachdem ich meine Führerscheinprüfung abgelegt hatte, und in diesem Zusammenhang blieb mir übrigens auch nichts anderes übrig, als sie zu bestehen.
Erstmal hat er mich natürlich auf die übliche Weise beschimpft, nachdem ich ihn zielgerichtet zum Wohnheim lotste, aber vergessen hatte, dass wir ja zuerst zum Studentenwerk mussten, um Mietvertrag und Schlüssel abzuholen. Und dann in meiner damals zukünftigen Bleibe angekommen, war alles ganz neu. Das Zimmer war für zwei Personen gedacht, aber die Kommilitonin, die es bis dahin bewohnt hatte, war schon fast mit ihrem Studium fertig und ließ sich nur noch sporadisch blicken.
Ungefähr eine Stunde war Papa dann noch da. Als er mich "verließ", hab ich nur gedacht: 'Lass mich nicht allein, bitte lass mich in dieser großen unbekannten Stadt mit all dem Neuen und Unbekannten nicht allein'. Puh, ein völlig fremdes Gefühl...
Ich wusste noch gar nicht, was mich erwartet, und mit dieser neu gewonnen Freiheit, die ich in diesem Moment eigentlich gar nicht haben wollte, konnte ich noch nicht recht umgehen.
Aber ich weiß noch, dass mein erster Plan dann war, die SLUB zu entdecken, die Universitätsbibiliothek. Und als ich sie betrat, das weiß ich noch genau, blieb mir vor Staunen der Mund offen stehen. Sowas Großes und Mächtiges hatte ich noch nie gesehen...
Und so wird es mir wohl bald nochmal gehen. DER nächste Schritt ins eigene Leben. Eine Entwicklung, die man bewusst erlebt und deren Bedeutung man sich nur langsam klar wird. Ich werde bald meine erste EIGENE Wohnung haben!
Wow!

Donnerstag, 18. September 2008

Geschenke

Ich muss mich an dieser Stelle mal bei meinem Leben und all seinen Mitwirkenden bedanken.
Mir ist heute bewusst geworden, wieviel ich im Laufe meines bisherigen Daseins eigentlich geschenkt bekommen und wie wenig ich mir selber erarbeitet habe; wie sehr das Glück meine Lebensumstände geformt hat und inwieweit ich mich in diesen Abschnitt, in dem ich mich nun befinde, tatsächlich selber katapultiert habe.
Das hat doch schon beim Führerschein angefangen. Mein Papa hat mir damals 500€ gegeben, womit ich ziemlich weit kam. Welches Kind darf das heutzutage noch von sich behaupten?
Wenn die Eltern nicht gerade völlig gleichgültig gegenüber ihrem Zögling sind, versuchen sie ihn doch meistens diesen Wunsch selber erarbeiten zu lassen, oder?
Und nein, damit möchte ich nicht sagen, dass meine Eltern diese Einstellung hatten. Mein Papa hatte selber nicht genug Geld, aber er hat mich von Kindesbeinen auf immer verwöhnt, und meine Ma musste es dann irgendwie wieder ausbaden. Und weil sie wusste, dass ich in Sachen Geld die Gene meines männlichen Elternteils habe, konnte sie sich wohl auch denken, dass ich für den Rest der Fahrerlaubnis auch noch etwas Unterstützung brauche.
Aber das ist nur ein Beispiel.
Am Tag meines Führerscheinerwerbs bin ich gleich nach Dresden gezogen, um mein Studium anzufangen, das ich mit Unterhalt, Kindergeld UND BAFöG finanzieren konnte. Auch hier wieder die Frage: Welcher Student darf sich dermaßen glücklich schätzen das alles zu bekommen?
Gut, mit dem Studium hat es ja dann doch nicht geklappt. Aber gerade mal drei Monate nach meiner Exmatrikulation unterschreibe ich schon den Ausbildungsvertrag!
Hinzu kommt auch noch, dass ich einen Paten bekommen hab, der es mehr als gut mit mir meint und mir hin und wieder auch Geschenke in einer sehr angenehmen Form macht, die mir zu Gute kommen.
Ich komme nicht umhin mich zu fragen, ob man in seinem Leben sein Glück auch aufbrauchen kann. Bekommt man von Anfang an einen Rucksack mit Glück und muss dann zusehen, wie man es sich einteilt?
Und wenn ja, hab ich dann alles verkehrt gemacht, weil ich es genau wie mit allem Geld, das ich bisher hatte, schon gebraucht habe?
Oder hab ich dieses viele Glück mit dem Tod meines Papas bezahlen müssen?
Sind die Dramen unseres Lebens der Preis für alles Gute, was wir bekommen?